

Seit mehr als 300 Jahren ist das Gartentheater der Herrenhäuser Gärten Schauplatz von Theater- und Tanzaufführungen, Bällen und Maskeraden. Um 1690 ließ Kurfürst Ernst August 27 vergoldete Figuren zur glanzvollen Ausstattung dieses Festraums aufstellen.
17 dieser Figuren sind noch erhalten. Sie waren allerdings so stark beschädigt, dass sie 1974 ausrangiert und durch robuste Bronzekopien ersetzt wurden. Jetzt sind die wertvollen Originale wieder an ihre Plätze im Gartentheater zurückgekehrt und machen ihrem Namen "goldene Figuren" alle Ehre. Die Wenger-Stiftung für Denkmalpflege hat die Figuren für 353.000 Euro in einer Regensburger Spezialwerkstatt restaurieren lassen, nachdem sie über 30 Jahre lang eingelagert waren.
Insgesamt 18 goldene Figuren zieren das Gartentheater: Neben den 17 Originalen vergoldeten die Restauratoren eine der bronzenen Figuren, deren barocke Vorlage nicht mehr existiert. Sie vervollständigt das Gesamtbild und ist nicht von den Originalen zu unterscheiden.
Wie geht Denkmalpflege eigentlich?
Der Experte für Denkmalpflege Dr. Peter Königfeld erläuterte die Restaurierung der goldenen Figuren: "Fast fünf Jahre hat es gedauert, bis alle 17 Originale überarbeitet und neu vergoldet waren. Schwierig war vor allem die Rekonstruktion fehlender Arme anhand von historischen Abbildungen. Die Gesichtszüge der Figuren wurden mit äußerster Sorgfalt ausgeformt. Korrosionsbeständige Innenkonstruktionen sorgen für ein stabiles Gerüst und die Befestigung am Sockel."
Wie damals üblich, wurden die Figuren aus Blei gegossen und mit einer Goldauflage veredelt. Bleifiguren waren in der Renaissance und im Barock ein beliebter Ersatz für die viel teureren Figuren aus Bronze. Blei war aber nicht nur viel günstiger, sondern leider auch viel empfindlicher, so dass europaweit nur wenige Bleifiguren bis heute erhalten geblieben sind. Daher stellen die 17 Originale im Gartentheater Herrenhausen ein für die Barockplastik Nordeuropas bedeutendes Ensemble dar.
Für Besucher
Besucher des Großen Gartens können die goldenen Figuren im Rahmen der täglichen Öffnungszeiten von 9 bis 19 Uhr ansehen. Der Garteneintritt beträgt 3 Euro, für Kinder bis 14 Jahre ist er frei. 11 Informationstafeln entlang des Glasfoyers zeigen die Geschichte und Restaurierung der goldenen Figuren.
Fotos: Hassan Mahramzadeh