kamelien

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Kamelien sind spektakulär: So früh im Jahr so große Blüten in kräftigen Rot- und Rosatönen oder edlem Weiß zu sehen, ist ungewöhnlich. Wochenlang hält die Farbenpracht an, und selbst schneebedeckte Blüten sind in dieser Zeit nicht selten zu sehen.
Ernsthaften Schaden nehmen bei anhaltenden Frösten nur die bereits geöffneten Exemplare. Nächtliche Temperaturen knapp um den Gefrierpunkt machen selbst den wachsartigen Blüten einiger Sorten kaum etwas aus. So üppige Pracht im zeitigen Frühling kennen Gartenfreunde hier zu Lande sonst nur von Magnolien. Deren kälteempfindlicher Blütenpracht hat die Kamelie mehr Standhaftigkeit entgegenzusetzen.

die tipps unseres kamelienexperten:

Winterhärte: In der meisten Literatur findet sich noch heute oft allzu Akademisches über mangelnde Winterhärte, obwohl seit mehr als einem Jahrzehnt hunderte von Hobbygärtnern ganz andere Erfahrungen machen. Gerd Kierfeld gab die Praxis Recht. Bei einer mittleren jährlichen Minimaltemperatur von -12° C erfriert nur der ein oder andere spätsommerliche und nicht ausgereifte Trieb. Spätfröste können zwar während der Blüte größeren Schaden anrichten, doch auch der ist zu verschmerzen, weil noch geschlossene Knospen sich erst bei milderem Wetter öffnen. Selbst wenn um die Eisheiligen herum der junge Austrieb Schaden nimmt, regenerieren sich die Pflanzen durch einen zweiten Trieb im Sommer. Dann aber sollte bei Trockenheit gewässert werden, damit die Pflanze die Verspätung im Wachstumszyklus optimal kompensieren kann.


Sorten für Anfänger: In klimatisch bevorzugten Gebieten rät der Experte Gartenbesitzern, ein nicht zu kleines Exemplar einer robusten Sorte anzupflanzen, und zwar möglichst im Windschatten des Hauses oder einer Mauer. Je größer die Pflanze, desto besser kann sie die Winter überstehen.


Klima:
Interessanterweise verfügen Kamelien über ein ausgesprochen genaues Gespür für Klimaverhältnisse: Die im Herbst und Winter blühende Art Camellia sasanqua tut dies in Deutschland von Oktober bis Januar und in Neuseeland von März bis Juni, dem Winter auf der südlichen Halbkugel. Wird eine Pflanze in Neuseeland aufgezogen und nach Deutschland exportiert, blüht sie auch hier im Winter. In seinem Garten hat Gerd Kierfeld bei vielen Exemplaren aller Sortengruppen ein weiteres Phänomen beobachtet: Die Pflanzen scheinen unsichere Witterungsverhältnisse zu erahnen. Dann schicken sie einige Blüten vor der Zeit ins Rennen. Verfrieren diese, wartet die Pflanze eine Weile auf besseres Wetter. Logisch ist das, denn sollten alle Blüten verfrieren, könnte sich keine Frucht entwickeln, deren Saat für den Fortbestand sorgt.


Sorten:
Neben den Sorten der Camellia x williamsii, einer Kreuzung der 1924 in England aus Westchina eingeführten und ausgesprochen winterharten Camellia saluenensis mit Camellia japonica, empfiehlt Profi Kierfeld für Einsteiger in Sachen Kamelien unter anderem die langsam wachsende perlmuttfarbene 'Hagoromo' und die 'San Dimas'. Deren große Blüten wirken mit goldenen Staubgefäßen auf dunkelroten Blütenblättern besonders luxuriös.
Neues für den Liebhaber winterharter Kamelien wird es in den nächsten Jahren aus den USA geben. Dort hat William L. Ackermann von der Baumsammlung National Arboretum in Washington, D.C. mit der dort als härteste Art geltenden Camellia oleifera Hybriden gezüchtet. In Deutschland harren sie noch der weiteren Verbreitung, und nur in wenigen Gärtnereien sind sie in kleinen Stückzahlen erhältlich.


Standort:
Alle Kamelien brauchen einen leicht sauren und vor allem lockeren, humusreichen Boden. Leichte Lehmböden sind, wenn sie mit Laubkompost angereichert werden, ideal für Kamelien, weil sie lebenswichtige Bodenfeuchtigkeit für die Flachwurzler garantieren. Wegen dieser Ansprüche sind auch Rhododendron, Lorbeerrosen (Kalmia) und Lavendelheide (Pieris) gute Pflanzpartner. Wie diese mögen Kamelien pralle Mittagssonne nicht. Ein Platz unter tief wurzelnden, höher wachsenden Gehölzen ist das Nonplusultra.


Pflege:
Gerd Kierfeld hat festgestellt, dass Kamelien nur die Hälfte der Düngermenge benötigen, die für Rhododendron empfohlen wird. Er selbst verwendet eine Mischung aus zehn
Teilen Rhodohum®, einem Teil organischen Rhododendrondüngers und höchstens einem Teil Mineraldünger mit Spurenelementen wie Osmocote plus® oder Manna Cote 6 M®. Diese Mischung verteilt Kierfeld im Februar/März dünn im Wurzelbereich unter den Pflanzen, nachdem die Schicht aus altem Laub entfernt und die Bodenoberfläche leicht gelockert wurde.
Schnitt: Schneiden sollte man Kamelien nur, um die natürliche Wuchsform zu betonen. Das fördert den Knospenansatz. Ein Tipp von Gerd Kierfeld: Da die Knospen nach dem Triebabschluss im Sommer angesetzt werden, darf die Pflanze in dieser Zeit nie unter Trockenheit leiden. Das könnte Knospenfall hervorrufen. Er hat den Sträuchern den Ruf eingetragen, heikel zu sein. Dabei sind sie es keineswegs - vorausgesetzt, man lässt ihnen ihre Freiheit.

 

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Gerd Kierfeld ist leidenschaftlicher Kameliensammler mit über 120 Kamelien in seinem Garten. 100 Sorten und Arten werden hier mit Abbildung der Blüte und des Strauches vorgestellt, Informationen und Anleitungen zu Standort, Pflanzung, Begleitpflanzen, Rückschnitt und Pflege ergänzen die informativen Pflanzenporträts.

Gerd Kierfeld: Gärtnern mit Kamelien. 100 frostharte Sorten für den Garten - Auswahl, Kultur und Pflege Christian Verlag, 120 Seiten, 9,95 Euro.

 

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