wenn einer eine kirsche pflanzt

dann sollte er den Namen Collingwood Ingram schon einmal gehört haben. Wer ihn nicht kennt, bringt sich vermutlich um die Chance, einige der schönsten Zier-Kirschen-Sorten kennenzulernen.

Ingram (*1880), ein Naturforscher wie aus dem Bilderbuch, wurde ein ganzes Jahrhundert alt und widmete sich vor allem der Züchtung dieser herrlichen Bäume - was ihm den Spitznamen 'Cherry' eintrug.

Die von ihm gezüchteten Sorten sind fast alle nicht so starkwüchsig wie die bekannteste der japanischen Blüten-Kirschen Prunus serrulata 'Kanzan'. Zu den schönsten seiner Schöpfungen zählt sicher 'Okame'. Ingram wollte eine reichblühende, aber in der Knospe und Blüte sehr kältetolerante Sorte züchten.

'Okame' hat zwar kleinere rosa Blüten als andere Sorten, diese erscheinen aber in unerhörter Fülle schon zu Beginn des Frühlings. Dann stören auch leichte Fröste den kleinen mehrstämmigen Baum nicht. Er hat übrigens eine hübsche, dunkle Rinde, die eine hellgraue Zeichnung aufweist und im Winter eine echte Zierde ist.

Intensive Farbenpracht
'Fukubana' ist eine Sorte der Winter-Kirsche (Prunus subhirtella), die ebenfalls im zeitigen Frühjahr blüht. Ihre Blüten sind intensiv rosarot und halbgefüllt. Sie wird im Alter etwas breiter als 'Okame', wächst aber schwächer als andere Sorten. Collingwood Ingram brachte sie 1928 aus Kalifornien mit und war wohl von ihrer Farbintensität beeindruckt. Der Farbton sticht klar hervor, weshalb diese Sorte auch zu anderen Frühlingsblühern wie gelben Forsythien gepflanzt werden kann.

Eine märchenhafte Geschichte
Eine der großartigsten Blüten-Kirschen, die wir Ingram verdanken, ist 'Tai Haku'. Der mittelgroße Baum hat sicher die größten Kirschblüten überhaupt. Sie sind reinweiß und von unvergleichlicher Schönheit.

Die Geschichte ihrer Entdeckung für den Westen begann im Jahr 1923: In Sussex besuchte Ingram den Garten einer Mrs Freeman, die seit langem seltene Bäume und Sträucher sammelte. Völlig überwuchert von den Nachbarbäumen fand Ingram diese Kirsche; sie war mehr tot als lebendig, aber von zwei noch intakten Zweigen nahm er Reiser für die Vermehrung ab.

Mrs Freeman hatte die Kirsche zusammen mit anderen Sorten aus Japan erhalten, nachdem ihr ein Bekannter aus der Provence von den wundervollen Varietäten vorschwärmte, die er selbst in Japan gesehen hatte.

1925 reiste Ingram dann wieder selber nach Japan, auf der Suche nach interessanten Sorten für europäische Gärten. Sein Gastgeber Prinz Taka Tsukasa stellte im einen alten Mann vor, der als Experte für Zier-Kirschen galt und eine riesige Sammlung von historischen Darstellungen dieser Bäume besaß.

Auf einer Bildrolle, die um 1700 entstanden sein musste, erblickte Ingram völlig erstaunt die Kirsche von Mrs Freeman, deren Nachwuchs inzwischen in seinem Garten gedieh. Auf die Frage nach dem Namen verriet ihm er alte Mann, diese Sorte sei einst nur in der Nähe des kaiserlichen Palastes in Kyoto kultiviert worden, aber inzwischen wohl  verschwunden. Seines Wissens, fuhr er fort, gebe es in ganz Japan keinen Baum dieser Sorte mehr.

Als Collingwood Ingram ihm sagte, dass genau diese Sorte in seinem Garten wachse, schenkte ihm der Experte keinen Glauben. Er starb, bevor ihn Exemplare von Ingram erreichten. Der aber vermehrte die Sorte und noch heute ist sie eine außergewöhnliche Pflanze, die in gut sortieren Baumschulen zu haben ist.

Mehr zum Thema Zier-Kirschen in der Frühlingsausgabe 2010.

 

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